Minimalismus mit 4 Kindern, so gehts!

Minimalismus ist ein neuer Trend, der mir sehr gefällt.

Ich selbst bin, so lange ich zurückdenken kann, schon immer “Minimalistin”.
Mir war es schon immer wichtig, meine Wohnung klar und möglichst wenig eingerichtet zu ahben, nur das zu besitzen, was ich brauche und/oder liebe.

Als Schülerin hatte ich ein Zimmer, als Studentin wenig Geld und eine minikleine Wohnung, die immer fast leer war.
Aus meiner Kindheit war ich regelmässiges Umziehen gewohnt, und diese eigentlich traurige “Tradition” habe ich jahrelang weitergeführt. Jeder Umzug war wieder Gelegenheit, eventuell angesammelte Dinge auszusortieren…

Nach einer Trennung kam ich mit Ende 20 aus dem Ausland zurück und hatte buchstäblich “nichts”, ausser Kleidung und ein Fahrrad. Also so wenig wie noch nie zuvor!
Ausgerechnet in der Zeit bekam ich ein Buch in die Hände:
Was ich praktizierte, bekam einen Namen!
Ich bin also schon seit 43 Jahren Minimalismus-Expertin 😉
Die Autorin erklärt darin unter anderem, wie “Gerümpel” unser Leben träge und verstaubt macht, unsere Energie raubt und uns von dem fern hält, was wir eigentlich wollen und erträumen, uns unfrei macht.
Ich wusste also auf einmal, warum ich das tue, was ich tue! Weil es mir gut tut, weil es mir frische Energie gibt, mich frei macht, Spaß macht, Platz macht für neues, weil ich ruhig und entspannt werde.

 

Unser Gehirn war schon vor Beginn des “Informationszeitalters” voll ausgelastet

Filterfunktionen sortieren 95% aller Informationen aus bevor sie ins Bewusstsein kommen. Das ist auch gut so, denn sonst hätten wir ständigen overload und es wäre unmöglich, sich auf wesentliches zu konzentrieren.
Manchen Menschen, bei denen diese Filterfunktion nicht so funktioniert, ergeht es tatsächlich fast ständig so. Das führt zu Schutzreaktionen, “Abstumpfung”. Aber das ist ein anderes Thema “Hochsensitivität”.

In einer zugestellten Wohnung empfinde ich ähnlichen “overload” und verschwende viel Energie damit, mich um die Sachen zu kümmern und sie aufzuräumen (“Staubfänger”!) statt dass die Dinge mich weiterbringen, wie es eigentlich sein sollte.
Da ist auch der Ansatzpunkt um zu entscheiden, “Was bleibt in meiner Wohnung?”
(Frage nicht, was gehen soll! Entscheide Dich positiv und wertschätzend für das, was bleiben soll.)

Minimalismus bekommt uns also gut in der modernen  Zeit!
Leider widerspricht es manchmal unserem “Sammel-Trieb” (der uns ja aus naheligeneden Gründen ebenfalls mitgegeben wurde) Dinge wegzugeben.
Man muss es bewusst tun, es geschieht nicht instinktiv.

Minimalisieren ist  Selbstfürsorge.

Minimalismus ist bereichernd.

Es geht nicht darum, um jeden Preis so wenig wie möglich zu haben, sich einzuschränken und zu begrenzen. “Wer am wenigsten hat, gewinnt!” oder so.
Nein! Minimalismus bereichert, denn ich entscheide und tue bewusst, was mir gut tut. Ich gönne mir Freiheit.
Der Focus ist nicht, was ich nicht habe und nicht will und nicht behalte, sondern
was will ich wirklich, was liebe ich, was tut mir gut.
Wie will ich leben?

Inzwischen habe ich ein Haus und vier Kinder.

Wenn Du selbst Familie hast, weisst Du:
Mit Kindern ist man eher im “Maximalismus” unterwegs, es wird immer mehr und mehr.. und man weiss gar nicht, wie das geschieht, das Haus wird voller und voller, von Klarheit und Ordnung weit entfernt!
Heute passiert das Ausmisten oder “minimalisieren” wie es jetzt heisst, eher selten und halbherzig, aus Zeitgründen, und ehrlichgesagt resigniere ich auch…

Durch ein neues Buch mit etwas anderen Ansätzen als bei Karen Kingston (auf deren Ideen es aber basiert) bin ich inspiriert, noch mal neu hinzuschauen und mich daran zu erinnern, was ich mir eigentlich wünsche.
Ich verändere meinen Blickwinkel.
Ich nehme Aufräumen und Putzen nicht als lästige “niedere Arbeit” und Plage wahr, sondern als Mittel, mir die Umgebung zu schaffen, die mir gut tut.
Mein Leben “so wie ich es eigentlich will” kann ich nicht auf später verschieben.
Marie Kondo schreibt in ihrem Buch,
dass man nur ein einziges Mal “richtig” aufräumen muss und dann nie wieder!
Sie stellt ein System vor, bei dem erst der gesamte Besitz, in Kategorien unterteilt und in einer bestimmten Reihenfolge, minimalisiert wird, dann wird ein Ordnungssystem eingehalten, so dass die Dinge nicht mehr irgendwo herumliegen können, sondern gleich an ihren festgelegten Platz kommen.
Nie mehr aufräumen! Ein Traum! Funktioniert das?
Es kostet Kraft zu beginnen, aber durch die Aktion steigt mein Energie-Level so an!! In den letzten Wochen ist vieles an Gerümpel gegangen, obwohl ich doch dachte, ich besäße gar keins!

Es tut so gut!!

Aber ich wohne ja wie gesagt nicht alleine. Meine Dinge zu minimalisieren ist eine klare Sache. Aber der Rest der Familie..?
Es wird in beiden Büchern ausdrücklich angeraten, nicht die Dinge andere Leute auszumisten.
Mit meinen Kindern entscheide ich gemeinsam, was sie behalten möchten, was wegkommt und was sie auf dem Flohmarkt verkaufen wollen! Der Anreiz ist hier, dass es nicht einfach “weg kommt” sondern sie einen Gegenwert bekommen, den sie dann für neue Wünsche verwenden können.
Dineg, die schon länger uninteressant sind, für nachfolgende Kinder aber noch gut sind, kommen in einen “Vorratsmodus”.
Grundsätzlich versuchen wir, die Kinder durch ausreichend “Bindungsangebot” nicht so anfällig werden zu lassen für Ersatzbindungen an Dinge.

Gemeinsames Erleben ist so viel wertvoller als Geschenke und Besitztümer.

Ich habe feste “Aufräum-Tage” eingeführt, an denen ich mit den Kindern zusammen das wichtigste in ihren Zimmer aufräume. So beibt eine Grundordnung und man behält die Übersicht.

Es geht nicht um Perfektion! Ich brauche keine perfekte Ordnung.
Minimalismus soll kein Verzicht sein, sondern eine Bericherung. Ich schaffe mir damit Platz und Lebensqualität durch Klarheit. Klarheit bringt mich meinen Wünschen näher.

Der passende Begriff wäre eigentlich "OPTIMALISMUS", da es mir nicht darum geht, möglich wenig, sondern genau das zu haben zu tun zu sein, was für mich das beste ist.


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3 Comments

  • Hallo, total interessant, dass du von Marie Kondo noch etwas lernen/Antrieb erhalten konntest, obwohl du ohnehin schon recht minimalistisch gelebt hast. Wie das mit 4 Kindern geht, allen Respekt! Ich habe nur 1 Kind und es ist mir wichtig, dass er nicht mit Sachen überhäuft wird, aber bei uns ist es trotzdem alles andere als minimalistisch. Auf der anderen Seite aber auch aufgeräumt und ich dachte, wir hätten auch nichts überflüssiges. Dann habe ich aber Frau Kondos Buch gelesen und mir ist das selbe passiert wie dir: Man bekommt so einen Schub positiver Energie und fängt an, erst den einen und dann den anderen Bereich der Wohnung genauer anzugehen und es macht echt Spaß! Ich konnte noch einmal viel ausmisten und habe meine Dinge etwas anders sortiert. Also wirklich ein erstaunliches Buch!

  • Tanja

    Reply Reply 11. Mai 2017

    Puh…klingt gut…aber wie sieht es aus jetzt,ein paar Monate später bei euch aus?…davor habe ich echt Respekt!!
    LG Tanja

    • Wibke Dihrberg

      Reply Reply 12. Mai 2017

      Liebe Tanja
      Ich kann Dich beruhigen: es ist ein chaotisches Haus, es ist nicht perfekt sauber, ich suche oft nach Dingen, die ich doch eben gerade noch…
      Nein, ich bin keine perfekte Hausfrau, und es sieht bei uns nicht aus wie in einem Zen Kloster (hach wäre das ein Traum: pro Person nur ein Schüsselchen!) oder bei Marie Kondo, acuh wenn das sehr schick wäre.
      Allerdings ist es mir auch wichtiger, in dieser Achtsamkeit “Was brauche ich?” zu leben, als die tatsächliche Optik und der immerwährend perfekte Zustand des Hauses.
      Also mal wieder ist der Weg das Ziel: es darf durcheinander sein, und oft sieht es so aus, dass ich Angst habe, es könnte an der Tür klingeln 😉
      Wichtig ist mir, unnsütze Dinge nicht zu horten und aufzubewahren. Nein, auch nicht in irgendeinem Wandschrank oder im Keller, “denn da sieht es ja keiner”. Gerade darum geht es mir: nicht wie es aussieht, sondern wie es sich anfühlt, das ist wichtig für mich.
      Obwohl ich es auch wirklich wunderbar finde, wenn alles harmonisch und klar und schön eingerichtet ist!
      Liebe Grüße
      Wibke

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