grosse Erwartungen..

“Ein Kind kommt nicht auf die Welt, um die Erwartungen seiner Eltern zu erfüllen!”
(Remo Largo)

 

 

Ist doch ganz klar, denkst Du?
Du liebst Dein Kind und lässt es frei und selbstbestimmt aufwachsen, damit es sich entfalten und in Liebe großwerden kann. Du unterstützt es, gibst ihm Schutz und Wärme, Nahrung, und Dein Herz ist weich und geduldig.
Erwartungen würden nur Druck erzeugen, das möchtest Du nicht, Dein Kind soll sich frei entwickeln!
Ja, natürlich! 🙂
Aber Moment!
So lange Dein Kind tut was Du möchtest und so ist wie Du es willst, ist es leicht, oder?
Was passiert aber, wenn es so gar nicht Deiner Vorstellung entspricht, Dich blamiert, aggressiv und beleidigend ist, absichtlich Dinge zerstört, etwas tut, dass Dich rasend macht? 😉

Ich merke immer wieder: Ich bekomme regerecht vom Leben “Aufgaben gestellt”, die mich an meine Grenzen bringen. Und darüber hinaus, wenn es gut läuft…
Ein Beispiel: Ich mag es nicht, wenn Menschen arrogant und fordernd sind, sich über andere stellen, aggressiv und polternd sind, laut, herrisch, undankbar und anspruchsvoll..
Ich will, dass meine Kinder zu glücklichen, starken und freundlichen, liebevollen menschen heranwachsen, die Rücksicht nehmen, Liebe in die Welt tragen und sie verbessern.

Jetzt rate mal, wie meine Kinder (manchmal!) sind? Ja, genau!
Sie sind oft laut, streiten sich, sind undankbar, benutzen in den falschen Momenten Schimpfwörter oder benehmen sich “schlecht”, sind ungeduldig, egoistisch.

Ich will so gerne, dass ich als liebevolle geduldige Mutter mit freundlichen glücklichen Kindern wahrgenommen werde.
Liebevolle Erziehung ist mir sehr wichtig, und ich möchte natürlich auch zeigen, dass es ohne Strafen und Erziehungs-Methoden geht, und dass dabei ganz tolle Kinder rauskommen 😉
Und gerade in Momenten, wo es mir sehr wichtig wäre, gut dazustehen, kommen dann meine Kinder dazwischen 😉
Ich habe also auch Erwartungen an mich selbst, und an “die anderen”, die gerne so oder so von mir denken sollen. Aber warum? Können die nicht denken, was sie wollen? Warum möchte ich das?
Weil ich mich Tag für Tag anstrenge, mir Mühe gebe und viel Arbeit investiere, die man nicht direkt “sieht”.

Wenn ich in so eine Situation komme, kann ich nur mehrmals tief Luft holen, meine Eitelkeit zurückstellen und mein Kind mit liebenden Augen betrachten und in sein Inneres schauen. Und in mein Inneres.
Was braucht mein Kind in diesem Moment? Wie kann ich dafür sorgen, dass es das bekommt?
(von mir, oder wenn das nicht möglich ist, von jemandem anders)
Auf jeden Fall wende ich mich meinem Kind zu und teile ihm mit, dass ich es liebe und annehme. Und dann schaue ich, wie es weitergehen kann.

Manchmal kann ein Kind nicht anders, als sich “schlecht” zu benehmen, weil der Frust über irgendetwas in dem Moment zu groß ist. Ein kleines Kind kann sich noch nicht selbst trösten und die Situation abwägen, es fühlt nur den Frust und den lässt es raus.

Entweder durch Tränen, oder, wenn das nicht der richtige Moment für weiche Gefühle ist, durch Aggression.
Wenn ich das verstehe, ist schon viel gewonnen: Ich kann mit liebenden Augen auf mein Kind blicken.

Was geht in mir vor in diesem Moment? Wenn ich beobachte und mir die Gefühle, die in diesem Augenblick da sind, auch erlaube, bin ich freier und gelassener, denn ich sehe nicht nur mein Kind, ich selbst werde auch gesehen.
Ich muss meine Gefühle nicht “aus-agieren” oder jemanden dafür verantwortlich machen. Ich sehe sie und erlaube sie mir. Punkt. Mein Kind ist nicht “Schuld” an meinen Gefühlen, also bekommt es sie auch nicht ab. Punkt.
(Und dann schaue ich bei mir. Wie können diese Gefühle Raum bekommen?)

Zurück zum Thema: Erwartungen.
Erwartungen sind unreflektierte Wünsche.
Wünsche darf ich doch haben, oder?! Ich wünsche mir, dass meine Kinder freundlich sind, glücklich, gesund. So weit, so gut. Wenn sie es dann nicht sind, wenn sie unfreundlich, traurig oder aggressiv sind, wenn mein Kind krank ist, vielleicht sogar unheilbar krank geboren wird, dann bin ich enttäuscht und traurig. Auch in Ordnung. Ich kann flexibel und frei bleiben, wenn ich in dem Bewusstsein lebe, dass es meine Wünsche sind. Und dass hinter meinen Wünschen Bedürfnisse liegen. (Welche sind das übrigens? Denn darum geht es letztendlich.)
Ich kann wirklich hinschauen, wie dieser Mensch ist: mein Kind, mein Partner, eine Freundin, ich selbst.

Erwartungen sind unreflektierte Wünsche: ich weiss und fühle nicht mehr, dass es meine Wünsche sind, die ich da habe, sondern denke, dass das genau so sein muss, wie ich es will.
Dadurch komme ich selbst unter Druck, und auch andere, an die ich die Erwartungen habe.
Ich bin unfrei, denn ich habe eine bestimmte Vorstellung, wie die Realität zu sein hat. Ist das mein Job? Gibt es dafür nicht höhere Instanzen? 😉

Dieser Artikel hätte schon viel früher fertig sein “müssen”. Und er hätte besser sein “müssen”. Das waren meine Erwartungen an mich. Und was hatte ich davon? Nichts! 🙂
Ich habe ihn jetzt einfach fertig geschrieben und veröffentlicht.

 

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5 Comments

  • Maggie

    Reply Reply 15. September 2016

    Vielen Dank!

    • wibkedihrberg

      Reply Reply 19. September 2016

      aber gerne Maggie! Danke für Deinen Kommentar. 🙂
      Liebe Grüße
      Wibke

  • Wiebke Rimasch

    Reply Reply 17. September 2016

    super Thema, da möchte ich gerne mehr von lesen!

    So langsam wird das nämlich auch bei uns aktuell. Bislang war mein Kleiner immer ein süßes Baby, jetzt fängt er an, in Cafès schrill zu kreischen, wenn ihm was nicht passt …

    LG
    Wiebke

    • wibkedihrberg

      Reply Reply 19. September 2016

      Danke Wiebke, ja, so lange das Baby ein Baby ist, ist ja alles babyleicht (wenn auch unglaublich anstrengend) 😉 aber dann!!
      Liebe Grüße
      Wibke

  • Sabrina

    Reply Reply 23. Oktober 2016

    Liebe Wibke, wichtiger Artikel, danke! Erwartungen sind so oft Auslöser für Stress und die Verwechslung von Wünschen und “so muss es sein” kenne ich leider.

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